Zettelkasten trifft Copilot: Mein Second-Brain-Auftritt bei “Sandmann sendet”
Im vorigen Jahr habe ich mich mit Florian Sandmann-Reetz beim M365 Summit in Mainz unterhalten – und aus diesem Gespräch ist jetzt Episode 65 von “Sandmann sendet” geworden. Ich hoffe, es wird für Euch genauso interessant wie für mich während des Interviews.
Vom Soziologiestudium zum KI-gestützten Zettelkasten
1994 habe ich mich im Soziologiestudium erstmals mit Niklas Luhmanns Zettelkasten beschäftigt. 30 Jahre später baue ich genau dieses Prinzip jetzt in Microsoft 365 nach – nur dass Copilot heute die Rolle des zweiten Gehirns übernimmt. Der Kern: Meetings nicht nur transkribieren und zusammenfassen lassen, sondern die Ergebnisse dauerhaft an einem Ort archivieren, auf den die KI später wieder zugreifen kann.
Warum Langzeitspeicherung so wichtig ist
Teams-Transkripte verschwinden aus Compliance-Gründen nach 90 Tagen automatisch. Aus DSGVO-Sicht sinnvoll, aus Wissensmanagement-Sicht aber ein Problem – wertvolle Meeting-Inhalte gehen sonst einfach verloren. Meine Lösung: kollaborative Ablageorte wie Loop, OneNote oder Obsidian, in denen ich Verantwortlichkeiten, Fristen und Follow-ups direkt festhalte. So kann ich vor dem nächsten Meeting einfach nachfragen, was beim letzten Mal offen geblieben ist – und bekomme eine echte Antwort statt eines Blicks in die Vergangenheit.
Der Use Case, der bei jedem Kunden zündet
Im Video zeige ich live im Microsoft 365 Admin Center, wie viele Wissensquellen sich über Konnektoren an Copilot anbinden lassen – von Google Drive über Jira und Confluence bis zu ServiceNow. Kaum jemand kennt diese Galerie wirklich. Mein persönlicher Favorit ist aber der Workflow-Agent aus dem Frontier-Programm: Er sortiert ungelesene E-Mails automatisch nach der Eisenhower-Matrix (dringend/wichtig) und schickt mir jeden Morgen eine Zusammenfassung per Teams-Chat – ganz ohne Power-Automate-Kenntnisse, nur per natürlicher Sprache konfiguriert.
So richtest du dir das Prinzip selbst ein:
- Meeting-Transkription und -Zusammenfassung in Copilot aktivieren
- Einen kollaborativen Ablageort wählen (Loop, OneNote, Obsidian, Notion)
- Aufgaben und Verantwortlichkeiten direkt im Ablageort festhalten
- Vor jedem Meeting per Prompt nach dem Stand der offenen Punkte fragen
- Den Workflow-Agenten für wiederkehrende Auswertungen einrichten (z. B. tägliche Mail-Priorisierung)
Copilot, Copilot Studio oder Foundry?
Im Gespräch ordne ich auch die Lizenzstufen ein: Der kostenlose Business Chat reicht für den Einstieg, der Copilot für 28 € im Monat bringt die volle App-Integration, und wer wirklich autonome Agenten mit vielen Wissensquellen bauen will, landet im Copilot Studio. Reichen die dort verfügbaren Sprachmodelle nicht aus, öffnet Microsoft Foundry mit über 1.100 Modellen die dritte Tür.
Mein Ausflug zu OpenClaw
Nicht ganz Microsoft-Welt, aber spannend: Meine nächtelangen Experimente mit dem autonomen KI-Agenten OpenClaw, gesteuert über Telegram. Faszinierend, wie selbstständig er sich Lösungswege sucht – aber auch ein klares Warnsignal, warum sowas ausschließlich auf einer isolierten Instanz laufen sollte, niemals auf dem Produktivrechner.
Bis Mainz
Wer mehr davon will: Ich bin vom 12. bis 14. Oktober wieder beim M365 Summit in Mainz dabei, mit mehreren Vorträgen und im Expertenpanel. Kommt vorbei, sprecht mich an – genau dafür sind diese Community-Events da.
Ende September startet meine neue MasterClass Reihe, in der wir uns sehr praxisnah mit Innovationen und starken neuen Möglichkeiten von Microsoft Copilot und Agenten (erstellt mit Foundry und Copilot Studio) beschäftigen. Anmeldung hier bei HanseVision.